Sonntag, 3. März 2013

Wowereit, das Denkmal bleibt!

In der Mühlenstraße in Berlin-Friedrichshain an der East Side Gallery haben sich am Sonntag, 3. März 2013, mehr als 6.000 Demonstranten (Polizeischätzung) versammelt, um gegen den Teilabriss der Mauer zu protestieren. Das Bündnis "East Side Gallery Retten", das zu dieser Demonstration aufgerufen hatte, hat bei seiner Online-Petition in weniger als drei Wochen schon mehr als 60.000 Unterschriften gegen den Abriss gesammelt.

Unseriöser Journalismus

Auch wenn diverse Medien wie der Tagesspiegel, die Welt oder die BZ berichteten, dass die Menschen auf der Demo "Wowereit, die Mauer bleibt" skandierten, so riefen sie in Wahrheit "Wowereit, das Denkmal bleibt!". Kleiner aber feiner Unterschied. Ja, seriöser Journalismus sieht anders aus!

Seriöser Journalismus

Die TAZ schrieb jedoch korrekt: "Es ist ein sonniger Nachmittag - und es ist eine entspannte und gut gelaunte Demonstration, zu der sich am Sonntag an der East Side Gallery über 6.000 Menschen versammelt haben. Auf der Bühne spielt eine Band, Loveparade-Gründer und Techno-DJ Dr. Motte lässt die Berliner rufen: "Wowereit, das Denkmal bleibt", Schauspieler Ben Becker fordert mit geballter Faust zur andauernden Mahnwache auf. Es geht um das mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Stück Mauer, das es noch gibt."

Auch die Berliner Zeitung pflegt den seriösen Journalismus. In ihrem Artikel berichtet diese Zeitung, dass auch der 1. Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery Kani Alavi anwesend war. Er hat angekündigt, sein Bundesverdienstkreuz zurückzugeben, wenn Teile der Mauer abgerissen werden. Die Auszeichnung würdigt Kani Alavis großen Einsatz für das Entstehen der East-Side-Gallery, deren Erhalt und die Sanierung 2009. "Ich bin enttäuscht und fühle mich hintergangen. Der Abriss wurde schon 2008 genehmigt, das wurde nicht kommuniziert. 2009 wurde noch mal 2,5 Millionen Euro in die Sanierung der East Side Gallery gesteckt", sagte der Künstler.

Die besten Reden

Die beiden besten Reden hielten für mein Empfinden der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Direktmandat Friedrichshain-Kreuzberg, Bündnis 90/Die Grünen) und der Mitbegründer der Club-Commission und heutiger Fachmann für Weltkulturerbe Marc Wohlrabe.

Hans-Christian Ströbele räumte in seiner Rede ein, dass er in den 90er Jahren "geschlafen habe" und Fehler gemacht wurden. Er sei erst 2007 durch die Aktivitäten von Mediaspree Versenken aufgewacht, als diese ein "Spreeufer für alle" forderten. Darauf hin habe er seine Meinung geändert und könne es nicht ertragen, dass dieses "gebrochene Symbol" beschädigt werde. "Wo kommt die Demokratie hin, wenn der Volkswillen nicht mehr berücksichtigt wird?", fragte er und forderte Klaus Wowereit und den Senat auf, den Bebauungsplan zu ändern. Schließlich haben beim Bürgerentscheid am 13. Juli 2008 über 85 % der Friedrichshainer und Kreuzberger gegen die Bebauungspläne von Mediaspree und für ein Spreeufer für alle votiert.

Marc Wohlrabe war Herausgeber des in den 90er Jahren für Berliner Raver unvergesslichen "Flyer" (Party-Programm-Plan) und er plädierte für den Verzicht auf den Neubau der Brommybrücke, da diese dem Denkmal seine Einzigartigkeit rauben würde. "Die Brücke muss fallen", sagte Marc Wohlrabe. Nur durch Verhinderung der Wiedererrichtung der im Krieg zerstörten Brommybrücke können seiner Meinung nach weitere Eingriffe an der Mauer verhindert werden. Michael Braun, seit 1995 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin für die CDU kam auch zur Demo an der East Side Gallery und pflichtete der Forderung von Marc Wohlrabe bei. Er setzte sich für den Erhalt der East Side Gallery ein: "Ich glaube, dass hier noch ein Kompromiss ausgehandelt werden kann. Wenn die Teile der Mauer nur wegen der Brommy-Brücke abgerissen werden - die braucht kein Mensch...". Diesem Votum kann ich mich nur anschließen.

Michael Braun musste einmal mehr erleben, dass man als Repräsentant der CDU in Berlin einen schweren Stand hat. Obwohl seine Rede durchaus vernünftig war, wurde er durch Pfiffe und Johlen unterbrochen.

Viel Applaus gab es hingegen für den französischen Künstler Thierry Noir, der als einer der ersten die Berliner Mauer an der East Side Gallery bemalte. Er erinnerte an die Bedeutung dieses Denkmals: „Das ist ein Geschichtsdenkmal, das unter anderem daran erinnert, dass an diesem Abschnitt zehn Menschen bei Fluchtversuchen gestorben sind. Da kann man nicht einfach darauf wohnen.

Diese, wie auch alle andere Reden, werden sicher in Kürze bei YouTube hochgeladen werden.

Die Demo war ein Erfolg!

Der Teilabriss der East Side Gallery ist zunächst gestoppt. Erstmal soll Ruhe an der East Side Gallery herrschen. Der Hochhaus-Investor Maik Uwe Hinkel (Living Bauhaus) verzichtet laut Medienberichten zunächst auf den weiteren Teilabriss. Bis zum 18. März sollen keine Mauersegmente mehr eingerissen werden. Ein kurzes aber wichtiges Moratorium.

Dank an alle Unterstützer/innen!

Dank an alle, die am Freitag, 1. März 2013, an der Erzwingung eines Baustopps mitgewirkt haben! Dank an alle, die uns bei der Organisation der Demo geholfen haben! Dank an alle, die unser Anliegen an der Demonstration heute an der East Side Gallery durch ihre Teilnahme bestärkt haben! Dieser Dank gilt auch im Namen aller am Bündnis "East Side Gallery Retten" beteiligten Projekte: Mediaspree versenken!, Megaspree, Club-Commission, Sage Club, Sage Restaurant, Watergate, Spreetraum, Wem gehört Kreuzberg, Bürgerverein Luisenstadt, Eisfabrik, Eisenbahnmarkthalle, Berlin Music Days, Kater Holzig, Ben De Biel, Tresor, Lido und Kulturhaus Astra.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Initiative FAIRPLAY auch weiter aktiv!

Die in Berlin erst jüngst gegründete Initaitive FAIRPLAY - Gemeinsam gegen GEMAInheiten muß, die GEMA-Tarifreform ist nicht vom Tisch, auch weiter aktiv bei der Sache bleiben. Dies tat sie z.B. auch am letzten Wochenende mit gleich mehreren Aktionen. Offensichtlich hat die Kundgebung am 25.06.2012 vor dem Mitgliederfest der GEMA doch nicht den bleibenden Eindruck hinterlassen, den sich die Initiatoren wünschten.

Hier eine Videodokumentation:
GEMA-Demo Berlin 2012 Teil 1. from uniwut on Vimeo.
Der stadtbekannte Musikwissenschaftler und Polit-Aktivist Hans Cousto vertrat die Inhalte der Initiative, nämlich die Abschaffung der GEMA-Tarifreform 2013, innerhalb seiner Redebeiträge auf der Demonstration Spreeufer für alle(Video wird nachgereicht). Ca. 1000 Menschen konnten so gewohnt fundiert erreicht und informiert werden.



Am Abend feierte Dr.Motte, Loveparade-Erfinder, DJ und Ehrenvorstand im Verein electrocult_ e.V. in der Magdalena (Ex-Maria) seinen Geburtstag. Der dort aufgestellte Infostand konnte die auch ca. 1000 Menschen informieren und hier alleine 100 Unterschriften für die open-petiton "Gegen die Tarifreform 2013 - GEMA verliert Augenmaß" einsammeln.




Zeitgleich bzw. über das gesamte Wochenende hinweg wurde eine andere Aktiven-Gruppe auf der Antaris aktiv und sammelte auch dort Unterschriften für die Petition und verteilte Informationsblätter. Dort konnten 300 Unterschriften eingesammelt sowie 5000 Gäste über die GEMA-Problematik informiert werden.




Fotos: Lars van Core, Lotar Küpper

Montag, 16. Juli 2012

Spreeufer für alle

Vier Jahre Bürgerentscheid Spreeufer für alle

Berlin ist keine Ware  gemeinsam gegen Ausverkauf und Verdrängung



Zur Demonstration am 14. Juli 2012 in Berlin: Im Juli 2008 gab es in F-Hain-X-Berg einen Bürgerentscheid zur Spreeuferbebauung, bei dem mit 87% der abgegeben Stimmen gegen das Projekt Mediaspree gestimmt wurde. Die Bewohner des Bezirks forderten die Einhaltung der Berliner Traufhöhe beim Bau neuer Häuser, einen mindestens 50 Meter breiten unbebauten Uferstreifen sowie keine zusätzliche Autobrücke über die Spree.

Vier Jahre später ist deutlich, dass bis auf die (noch) nicht gebaute Autobrücke dieser ausdrückliche demokratische Wille der Menschen missachtet wird. Die einzigen Bauprojekte, die nicht durchgesetzt wurden, sind diejenigen, wo die Investoren noch auf sich warten lassen. Ansonsten hat sich bei Bezirk und Politik nichts geändert: neue Hotels entstehen, eine Shoppingmall an der Warschauer Straße ist geplant, Luxuswohnungen in Treptow. Wowereit und Bezirksbürgermeister Schulz trinken Sekt auf Richtfesten und Eröffnungsfeiern. Derzeit lässt der Auto- und Rüstungskonzern Daimler dessen Vertriebszentrale neben die o2-world und Coca-Cola einen Turm in den Osthafen bauen. Auf Kreuzberger Seite steht das ehemalige Dämmissol-Gelände zur Privatisierung aus – hier gibt die Politik ein weiteres Mal demokratischen Gestaltungsspielraum an profitorientierte Immobilienunternehmen ab.

Genau aus diesem Grund war es wichtig, auch wieder zum Thema Mediaspree auf die Straßen zu gehen. Mit der Demonstration zum Jahrestag des Bürgerentscheids wollten die Organisatoren der Demonstration ihre Nachbaren darauf aufmerksam machen, auf welche Weise hier der Marktlogik folgend eine antisoziale Stadt für die Besserverdienenden gebaut wird – wenn wir es uns gefallen lassen. Denn es wehren sich immer mehr Menschen gegen die Willkür des Wohnungsmarktes und dessen Profiteure. Es geht darum auf breiter Linie widerständig aktiv zu werden und als vernetzte Bewegung die Ansage zu machen: Berlin ist keine Ware. Das ist unsere Stadt und wir möchten in ihr solidarisch leben, ohne Ausgrenzung und Angst vor Verdrängung!

Berichte aufgrund der Pressekonferenz


Die Initiativen MediaSpree versenken, Megaspree und Spreepiraten gaben gemeinsam am Mittwoch, 11. Juli 2012, im Yaam eine Pressekonferenz zur geplanten Demonstration am 14. Juli 2012. Die Medien reagierten überaus wohlwollend. So schrieb die Berliner Zeitung:

"Nun, wenn sie sich schon nicht selbst loben können, dann wollen wir es tun. „Mediaspree versenken“ ist eine der folgen- und auch segensreichsten Bürgerinitiativen gegen den Ausverkauf innerstädtischer Grundstücke an die größten, schönsten und vor allem meistbietenden Investoren. Geplant war die Uferbebauung verwalterisch noch im alten Stil, also à la Stuttgart 21, mit erstarrter und überformalisierter Bürgerbeteiligung, die Mitsprache und auch Protest so lange in Verfahrensfragen wegorganisiert, bis sie wirkungslos sind. Das ist jetzt anders, und es ist besser als vorher: Die Leute haben mit den Begehren ein hervorragendes Instrument, um auf ihre Interessen aufmerksam zu machen. Die Politik reagiert längst, nicht nur an der Spree, auch beim Wasser, bei den Mieten, den Kitas.

Zitiert aus:
Aktionstag gegen Mediaspree-Projekt
Bitte weiter kämpfen
Von Jan Thomsen
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/aktionstag-gegen-mediaspree-projekt-bitte-weiter-kaempfen,10809148,16601346.html

Weitere Berichte, die vor der Demo erschienen sind

Aktionstag
Mediaspree-Gegner machen wieder mobil
Von Karin Schmidl
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/aktionstag-mediaspree-gegner-machen-wieder-mobil,10809148,16600908.html

Bürgerinitiative : Mediaspree: Demo zum Jahrestag
11.07.2012 22:40 Uhr von Ralf Schönball
http://www.tagesspiegel.de/berlin/buergerinitiative-mediaspree-demo-zum-jahrestag/6867608.html

(Artikel mit Umfrage: Vier Jahre nach erfolgreichem Bürgerentscheid ruft die Initiative "Mediaspree versenken" zur Demo auf. Haben Sie Verständnis für den Protest?)

Berlin : City-Quartier statt Flusspromenade
12.07.2012 00:00 Uhr von Ralf Schönball
http://www.tagesspiegel.de/berlin/city-quartier-statt-flusspromenade/6873090.html

POSITION : Vieles wurde erst einmal nicht gebaut
12.07.2012 00:00 Uhr von Carsten Joost
http://www.tagesspiegel.de/berlin/position-vieles-wurde-erst-einmal-nicht-gebaut/6873088.html

Von Bernd Kammer 12.07.2012 / Berlin / Brandenburg
Sackgasse nach oben
Zum Jahrestag des Bürgerentscheids gegen Hochhauspläne am Spreeufer wird gegen Verdrängung demonstriert
http://www.neues-deutschland.de/artikel/232353.sackgasse-nach-oben.html

Spreeufer
Ignorierter Bürgerwille
von Laurence Thio / Konrad Litschko
http://www.taz.de/Spreeufer/!97308/

Verlauf der Demonstration


Trotz des starken Regens am späteren Vormittag am Samstag, 14. Juli 2012, kamen etwa 1.000 Leute zur Spreedemo um an den Bürgerentscheid vor vier Jahren zu Erinnern. Wegen des Regens startete Demo mit etwa einer Stunde Verspätung, endete jedoch überpünktlich um 21:57 Uhr. Auf der Demo konnte man interessante Beiträge von Rednern verschiedenster Initiativen und Gruppierungen hören und auf der Wegstrecke wie auf der Abschlusskundgebung kam durch die Musik der fünf Paradewagen echte Partystimmung auf. Mit dem bunt geschmückten Wagen des Mörchenpark e.V. und deren bunt ver- respektive gekleideten Begleiter wurde der Demo eine besondere Note verliehen. Doch die während des Umzuges gewonnen Sympathien verspielte die Crew auf dem Wagen des Mörchenpark e.V. wieder bei der Abschlusskundgebung: Sie schaltete die Funkübertragung der Reden zu ihrem Wagen während den Reden mehrfach ab und übertönte die Reden mit lauter Musik, was vor allem die politisch aktiven Teilnehmer der Demo störte und übel nahmen. Ja, Solidarität sieht anders aus! Ansonsten gab es jedoch keine störende Zwischenfälle und die Demonstration verlief absolut friedlich.

Die Medien zur Demo:

Hunderte protestieren gegen Ausverkauf von Grundstücken
Demonstranten erinnern an Bürgerentscheid „Spreeufer für alle“
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-spreeufer--demonstranten-kritisieren-bauprojekte-in-berlin-,10809148,16620914.html

Mediaspree: Hunderte protestieren gegen Ausverkauf von Grundstücken
Demonstranten erinnern an Bürgerentscheid "Spreeufer für alle"
http://www.b2b-deutschland.de/berlin/region/detail_dapd_3422812090.php

Demo mit Partystimmung und viel Polizei : Friedlicher Protest gegen Mediaspree
15.07.2012 00:00 Uhr von Jörn Hasselmann
http://www.tagesspiegel.de/berlin/demo-mit-partystimmung-und-viel-polizei-friedlicher-protest-gegen-mediaspree-/6879696.html

Mediaspree: Hunderte protestieren gegen Ausverkauf von Grundstücken
Demonstranten erinnern an Bürgerentscheid "Spreeufer für alle"
http://www.welt.de/newsticker/news3/article108293578/Mediaspree-Hunderte-protestieren-gegen-Ausverkauf-von-Grundstuecken.html

Stadtraum
Demonstration gegen Bauprojekt Mediaspree (nur kurzfristig online verfügbar)
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2012_07/Demonstranten_erinnern_an_Buergerentscheid__Spreeufer_fuer_alle_.html

Abendschau Sa 14.07.12 19:30
Vier Jahre Mediaspree (nur kurzfristig online verfügbar)
http://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/archiv.media.!etc!medialib!rbb!rbb!abendschau!abendschau_20120714_media.html

Das Team von Radio Friedrichshain / Studio Ansage konnte fast alle Reden auf der Demo aufnehmen. Sie werden zum Teil in der kommenden Sendung
RADIO F'HAIN | Di | 17. Juli 2012 | 19 - 20 Uhr | UKW 88,4 MHz (Potsdam 90,7) | LIVEstream: www.senderberlin.org LIVE aus dem StudioAnsage in der Kreutzigeer Str. 23 bei dem Rückblick auf die Demo ausgestrahlt. Näheres dazu bei www.studioansage.de.
Infos zur Demo siehe:
http://www.megaspree.de/
http://www.ms-versenken.org/
http://spreedemo2012.blogsport.de/

Mittwoch, 27. Juni 2012

Ein Lehrstück für Demokratieverständnis durch die Berliner Club-Szene!

Die Berliner Club-Szene hat ein weiteres mal ihren kulturellen Background von "we are one family" bewiesen und zeigte sich im Protest bunt, kreativ und friedlich.

Was war geschehen?

electrocult_e.V., einem Berliner Verein dem ich als Vorstand angehöre, initiierte mit vielen Partnern der Berliner Club- und Kultur-Szene das Netzwerk "Fairplay - Gemeinsam gegen GEMAinheiten". Dieses Netzwerk realisierte nicht nur eine hohe Mediale Aufmerksamkeit und rückte die Tarifreform 2013 ins öffentliche Interesse sondern organisierte eine Protestkundgebung vor dem Frannz-Club, wo zeitgleich das GEMA-Mitgliederfest stattfand.

Für die Willensbildung des Netzwerks, d.h. das sich das gesamte Netzwerk innerhalb einer gemeinsamen Strategie wiederfand, gab es nur knapp 6 Wochen Zeit. Das Ergebnis kann wie folgt zusammen gefasst werden:

1. Die Tarifreform 2013 ist für die Clubkultur-Szene nicht tragbar und muß ausgesetzt werden
2. Die Aktionsformen sollen einen in Gang zu setzenden Dialog mit der GEMA nicht verhindern sondern ermöglichen.
3. Das Netzwerk agiert streng konstruktiv und informiert insbesondere erst einmal die GEMA-Mitglieder, welche offensichtlich von Ihren Angestellten -der GEMA-Verwaltung- nur unzureichend in die Tarifgestaltung eingebunden werden.

Auch die anzuwendenden Mittel mit der die formulierten Ziele zu erreichen sind, waren sehr schnell definiert:

1. Starke und emotionale Presseerklärungen der einzelnen Netzwerk-Protagonisten und des Netzwerks als Ganzes sowie Solimails an die politischen Entscheidungsträger sowie der GEMA
2. Eine Podiumsdiskussion an dem Ort, wo auch die GEMA ihre Mitgliederversammlung durchführt.
3. Eine Protestkundgebung vor dem Mitgliederfest der Gema.

Das Netzwerk FAIRPLAY einigte sich nach meiner Bewerbung um die Aufgabenrolle darauf, das ich der Anmelder der Protestkundgebung sein sollte. Für mich eine Aufgabe die ich gerne übernahm, aber auch eine besondere Verantwortung darstellte.
Die Ziele definierte ich für mich im wesentlichen so:

1. Die Information und der Nachweis Tragfähigkeit des konstruktiven DEMO-Konzepts an die Versammlungsbehörde, Bereitschaftspolizei und die vor Ort eingesetzten Kräfte.
2. Kommunikation des Demokonzepts an die Teilnehmer der Protestveranstaltung
3. Situative Unterstützung der Demo-Ordner und Polizeikräfte als verantwortlicher Anmelder.

Von der Versammlungsbehörde und den eingesetzten Polizeikräften wurde der anberaumte Ort der Kundgebung, der Fannz-Klub bzw. das Mitgliederfest der GEMA zu Anfang per sè als Provokation begriffen. Das ist, wenn man den Charakter und die Notwendigkeit dieser demokratisch legitimierten Institutionen begreift, auch kein Wunder. Ich setzte der Forderung der Versammlungsbehörde die Kreuzung Schönhauser Allee/Sredzkistr. mit sogenannten "Hamburger Gittern" abzusperren unser vorab kommuniziertes und in dem Peer-Medium Groove veröffentlichtes Protest-Konzept entgegen. Ich verweigerte hier also meine Zustimmung und erläuterte, das wir innerhalb unserer Ordner-Einweisung die besondere Situation, das der politische Gegner durch unsere Kundgebung hindurch fährt, selbst bewältigen wollen.

Zudem habe ich als Anmelder der Kundgebung die Kundgebungsteilnehmer auf unser Konzept "eingeschworen":

Stoppt die GEMA Tarifreform Demo Berlin [2012-06-25]: Part 3 Lotar Küpper from stepcamera.de on Vimeo.



Im wesendlichen, von einzeln gezeigten "Stinkefingern" abgesehen, wurden die GEMA-Gäste mit Applaus und Beifall empfangen um dann beim Aussteigen auf dem Gelände der Kulturbrauerei das von uns erarbeitete Informationsmaterial durch unsere Hostessen überreicht zu bekommen (Im folgenden Video ab 1:25 zu sehen).

Insgesamt ist festzustellen:
1. Die "politischen Gegner" einer Protestkundgebung waren selten so eng beisammen wie bei der Kundgebung "Fairplay - Gemeinsam gegen GEMAinheiten". Die Initiative kam hierbei ohne die bereitgestellte Einzatzhundertschaft der Polizei aus!
2. Der Einsatzleiter der Polizei-Hundertschaft war auf die Konfrontation der Kundgebungsteilnehmer mit den GEMA-Mitgliedern eingestellt. Er stellte seine Kräfte auch entsprechend auf. Er benötigte diese aber wegen unserer bereits im Vorfeld instruierten Ordner und Teilnehmer nicht. (O-Ton des Einsatzleiters im Nachgespräch: Ich habe nicht geglaubt, das das funktioniert...)
3. Die GEMA-Mitglieder haben unsere Nöte und Ängste verstanden!

Ich persönlich bewerte die gewählten Aktionsformen für einen Erfolg im vollem Umfang. Zudem danke ich allen Teilnehmern der Kundgebung, allen Ordnern und auch den Einsatzkräften der Polizei für Ihr besonnenes Auftreten und die sachgerechte Demonstration unserer Kultur.

Die einzig anzubringende Kritik gilt dem offensichtlich einzelnen Anwohner, welcher sich trotz darstellbarer Pegelregelung (nach unten) über die Lautstärke unserer Kundgebung monierte und zudem die Kundgebung dann auch direkt störte.
Ihm erkläre ich (gerne auch persönlich):
"In einer Demokratie musst Du den Protest auch vor Deiner Haustüre aushalten. Deine verständliche Aufregung in dieser Situation wiegt unser berechtigtes Interesse zur Meinungs- und Willen-Kundgabe in der gelebten Demokratie nicht auf."

Sonntag, 17. Juni 2012

Berliner Club-Scene vs. GEMA - Vorrunde

Es ist bezeichnend und erschreckend, was passiert, wenn verknöchert alte Strukturen wie die GEMA und die ja nun doch nicht mehr so neuen Geschäftsmodelle der Berliner Clubscene zusammen treffen.


Da wird seitens der GEMA gelogen und betrogen, was das Zeug hält, so möchte mann/frau meinen. Dies gilt insbesondere, wenn mann/frau der Argumentationskette der DEHOGA folgt.


Ich denke, das Problem liegt nicht alleine bei der GEMA. Die GEMA hat zumindest einen Runden Tisch in Aussicht gestellt, dessen Termin aber offensichtlich noch nicht feststeht.


Ich denke das "wir", die Club-Scene sich nicht rechtzeitig, das heißt vor der Festlegung der Tarifreform 2013 eingemischt haben. Dies holen wir nun, insbesondere weil die ja nun doch andersartigen Geschäftsmodelle unserer Szene gegenüber der GEMA mit Nachdruck dargestellt werden müssen, nach!


Wie tun wir das? DURCH PROTEST:


Aufruf zur Demo:


[FAIRplay] #Berlin #DEMO 25/06/2012 – STOPPT DIE #GEMA TARIFREFORM 2013


Die Initiative Berliner Club- und Kulturveranstalter, FAIRplay – Gemeinsam gegen GEMAinheiten, ruft für den 25.06.2012 zu einer Demonstration, für eine gerechte und ausgewogene GEMA Tarifordnung 2013, auf.


FAIRplay Demo Stoppt die GEMA Tarifreform 2013


Die neue Tarifreform der GEMA für die Aufführung und Wiedergabe urheberrechtlich geschützter Musik, die ab 01.01.2013 deutschlandweit in Kraft treten soll, wird für zahllose Clubs und Veranstalter das plötzliche Ende bedeuten.


Die Tarifordnung sieht eine Gebührenerhöhung von 600 – 1200% vor, die schlicht unbezahlbar ist. Wir sehen nicht nur die weltweite anerkannte Vielfalt der Clubkultur bedroht, auch die Auftrittsmöglichkeiten für Künstler, sowie unzählige Arbeitsplätze in anderen Branchenstehen konkret vor dem aus.


Wir rufen alle Betroffenen aus Kreativwirtschaft, Tourismus, Gastronomie, Clubbetreiber, Veranstalter und Künstler, sowie alle an kulturellen Veranstaltungen Teilhabenden auf, sich unserem Protest anzuschließen.


Wir fordern eine gerechte und ausgewogene Auslegung und Umsetzung des geltenden Urheberrechts in Deutschland!


Wir fordern ein rasches und entscheidendes Handeln der politischen Entscheidungsträger bei der richtigen Weichenstellung unserer ökonomischen und kulturellen Zukunft!


Wir Demonstrieren Lautstark mit und für Musik, am 25.06.2012 in der Schönhauser Allee, Höhe Frannz Club (Kulturbrauerei), U-Bahnhof Eberswalder Straße ab 18:00 Uhr, bei der zeitgleich das GEMA-Mitgliederfest stattfindet.


… wir demonstrieren nicht gegen die Besucher des GEMA Mitgliederfestes! Wir demonstrieren für gerechte und faire GEMA Tarife!


Mehr Infos, auch für Interessierte Wagenanmelder oder Initiativen unter:
http://www.facebook.com/events/426071044093486/
http://www.electrocult.de/news/2012/06/15/fairplay-berlin-demo-25062012-stoppt-die-gema-tarifreform-2013/


oder bei mir!